Donnerstag, 18. Dezember 2008

Markus Kavka: Geplänkel eines Berusjugendlichen


Es gibt Lesungen, da wird viel geredet, aber wenig gesagt. Leider kann man sie im Voraus nicht erkennen. Skepsis ist jedoch grundsätzlich angebracht, wenn „Promis“ sich ans Bücherschreiben wagen. Denn neben ein paar Kleinoden kommt leider auch sehr viel Überflüssiges dabei heraus.
Alle haben sie es getan: Harald Schmidt, Dieter Bohlen, Charlotte Roche, Bushido – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Grund genug für MTV-Moderator Markus Kavka, es selbst mal zu probieren.
Der Fernsehstar war am Dienstag beim „Wordclub“ in den Prinzipalsaal eingeladen, um sein neues Buch vorzustellen. Der 41-Jährige widmet sich darin unter dem euphemistischen Titel „Hamma wieder was gelernt“ dem Erwachsenwerden, schildert selbstironisch bis nachdenklich Episoden aus seinem Leben und garniert das ganze mit Allgemeinplätzen zur Jugend von heute, dem ganz normalen Wahnsinn der Festivalkultur und anderen popkulturellen Phänomenen.
So weit so gut. Nun könnte man meinen, dass der Mann viel zu erzählen hat und dem Zuhörer erkenntnisreiche, reflektierte Einblicke bietet. Aber das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Kavka hat erschreckend wenig zu sagen.
Irgendwie schafft er es, in zwei Stunden kein einziges Mal zu überraschen, etwas Geistreiches oder Wichtiges mitzuteilen. Gängige Klischees und Mittelmaß gibt es zuhauf, zitierfähige Sätze sucht man indes vergebens. Kavka tut eben das, was er am Besten kann: Er plaudert und kommt dabei keinen Schritt voran.
So verkommt die Lesung zu einer langweiligen, oberflächlichen Nabelschau des „Berufsjugendlichen“ mit einer absolut überflüssigen Diashow. Als „Dorian Gray 2.0“ ist er ein Paradebeispiel für den sorglosen, unreflektierten Hedonismus der „Kidults“, die das Erwachsenwerden immer weiter hinauszögern. Sein Buch taugt höchstens als „Klolektüre“ – für ihn ist das ein Kompliment, wie er gleich zu Anfang versichert. Wie passend. Kavkas Buch ist Text-gewordene Redundanz, handzahme Popliteratur, belanglos, beliebig, glatt und ohne Tiefgang. Am Ende bleibt nichts zurück außer einer großen, leeren Blase.

William Fitzsimmons im Gleis 22

William Fitzsimmons bei einem der schönsten Konzerte des Jahres

Merkwürdig sieht er aus, kauzig gar, mit seinen Jeans, den Lederboots und dem Karohemd, im Gesicht ein riesiger Vollbart unter einer groben Hornbrille. Ein Original, möchte man sagen. William Fitzsimmons ist Singer-Songwriter, Folksänger und Weirdo im positiven Sinne. Bart und Brille sind längst Markenzeichen geworden, doch mehr noch als sein verschrobenes Aussehen spricht seine Musik für ihn - geprägt durch James Taylor, Joni Mitchell und Bob Dylan, klingt er wie eine Mischung aus Damien Rice und Vollbart-Kollegen Iron & Wine. Doch Fitzsimmons hat genug Profil, um derlei Vergleichen mühelos zu entwachsen. Am Dienstag konnte man im Gleis 22 Zeuge seines musikalischen, humoristischen und entertainerischen Talents werden -- Der Mann versprüht auf der Bühne soviel Charme und Sympathie, er hätte auch mühelos Alleinunterhalter werden können. Wenn da nicht die schöne Musik wäre, und um die geht es ja eigentlich. Seine Songs sind getränkt in Melancholie, handeln von Abschiedsszenarios, Verlustängsten und der Abwesenheit von Liebe. All das wäre in dem ohnehin schon grauen Winter schwer zu ertragen, wäre da nicht das Hintertürchen zum Licht, das Quäntchen Hoffnung, das behutsam in seine Stücke eingewoben ist. Und wer Fitzsimmons live gesehen hat, der wird mit der Tristesse sowieso spielend fertig. Wie er da auf seinem Barhocker sitzt, zwischen den Songs drauflos plaudert und sich in Anekdoten verliert, das hat schon seine Klasse. Stolz präsentiert er seine paar Brocken Deutsch, macht Witze über seinen Bart und verteilt Komplimente, die ehrlicher nicht sein könnten: "You Germans do beer good, you do food good, and you do people good!" Selten wurde auf einem Konzert so viel und so herzlich gelacht. Am Ende ist die Welt ein besserer Ort, Fitzsimmons bedankt sich aufrichtig für den schönen Abend, und man möchte mit aller Kraft zurückrufen: Danke!

Sendung vom 17.12.2008

Diesmal ganz fix, die Playlist zum Murs & 9th Wonder-Special und gleichzeitig der letzten Sendung im Jahr 2008 - frohe Weihnachten, guten Rutsch und so!

1. 3:16 (Murs 3:16 - The 9th Edition)
2. Murray's Law (Murray's Revenge)
3. L.A. (Murray's Revenge)
4. Silly Girl (Murray's Revenge)
5. Freak These Tales (Murs 3:16 - The 9th Edition)
6. Nina Ross (Sweet Lord)
7. Free (Sweet Lord)
8. Dreamchasers (Murray's Revenge)
9. Walk Like A Man (Murs 3:16 - The 9th Edition)
10. Trevor An' Them (Murs 3:16 - The 9th Edition)
11. Bad Man (Murs 3:16 - The 9th Edition)
12. And I Love It (Sweet Lord)
13. The Pain (Murs 3:16 - The 9th Edition)
14. Dark Skinned White Girls (Murray's Revenge)

Hier noch der Link zu einem interessanten Interview mit Murs, und hier eines mit 9th Wonder. Viel Spaß beim Lesen!

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sendung vom 10.12.2008

Piggedy-Playlist!

1. The Roots - Get Busy
2. The Perceptionists - Let's Move
3. Planet Asia - Place Of Birth
4. Artifacts feat. Lord Finesse & Lord Jamar - Collaboration Of Mics
5. Pep Love - Living Is Beautiful
6. The Solution - What I Need
7. Company Flow - 8 Steps To Perfection
8. Belief feat. Vordul Mega & C-Rayz Walz - Justice
9. Cyne - Rousseau
10. Belief feat. Murs - The Fountainhead
11. Murs - And This Is For...
12. Blumentopf - 6 Meter 90
13. Dj Muggs feat. Wyclef Jean - John 3:16
14. Pete Rock feat. Vinia Mojica - Mind Blowin'

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Sendung vom 03.12.2008

Die Playlist zur letzten Sendung:

1. Beastie Boys feat. Q-Tip - Get It Together
2. INI feat. Large Professor & Q-Tip - To Each His Own
3. Mobb Deep feat. Q-Tip - Drink Away The Pain
4. Large Professor feat. Q-Tip - In The Sun
5. Mad Skillz feat. Large Professor & Q-Tip - Extra Abstract Skillz
6. Busta Rhymes feat. Q-Tip & Chauncey Black - You Can't Hold A Torch
7. Busta Rhymes feat. Q-Tip - Ill Vibe
8. Mos Def, Tash & Q-Tip - Body Rock
9. The Roots feat. Q-Tip - Ital (The Universal Side)
10. Sérgio Mendes feat. Will I Am & Q-Tip - The Frog
11. The RH-Factor - Poetry
12. Stanley Clarke feat. Q-Tip - 1,2 To The Bass

Dienstag, 2. Dezember 2008

Sido im Skaters Palace

Im Fernsehen lässt er Popstar-Träume wie Seifenblasen zerplatzen, doch selbst ist er schon längst zum Star geworden. „Mein Block“ machte ihn einem großen Publikum bekannt, sein Album „Ich und meine Maske“ erreichte dieses Jahr Platz eins der deutschen Albumcharts.
Sido hat es geschafft – der einstige Berliner Untergrund-Rapper aus dem Märkischen Viertel ist im Mainstream angekommen und fühlt sich dort sichtlich wohl. Zwischen Auszeichnungen der Teenie-Presse, Goldenen Schallplatten und der Popstars-Jury hat er sich eingerichtet und lenkt von dort aus die Vermarktungsmaschinerie seines Labels Aggro Berlin. Dabei ist das Böser-Junge-Image längst zur Pose erstarrt, der betont anarchistische Ansatz längst zum Marketingkonzept geworden. Anstößige Texte? Obszönitäten? Was einst auf dem Index landete, sorgt mittlerweile für klingelnde Kassen, besonders beim jüngeren Publikum.
Als Sido am Samstag ein Gastspiel im Skaters Palace gab, waren weit über tausend Fans seinem Ruf gefolgt – der Altersdurchschnitt lag bei höchstens 18 Jahren. Die Teenies lieben ihn, hängen an seinen Lippen und feiern ihn wie ihren Heilsbringer. Was er erzählt, ist dabei fast egal, denn Sido beherrscht die hohe Kunst der Selbstinszenierung. Liedzeilen wie „Halt dein Maul, du kannst gar nichts“ und „Ich bin die Armee der Straße, so was wie das Vierte Reich“ werden begeistert mitgerappt.
„Du musst auf dein Herz hören“, singt er und geht auf Tuchfühlung mit den Mädchen in der ersten Reihe, verschwindet zum Kiffen hinterm DJ-Pult und trinkt kurz darauf zusammen mit seinem Rapperkollegen Harris auf der Bühne Jägermeister. Und schon hat er den ganzen Saal auf seiner Seite, die romantischen Teenie-Girls ebenso wie die harten Jungs aus den vermeintlichen Problembezirken. Sido erzählt vom Leben auf der Straße, von Drogen und Alkohol, stellt Autoritäten in Frage und trifft damit genau den Nerv der gutbürgerlichen Durchschnittsjugendlichen, die sich im wohl behüteten Umfeld nach ein bisschen Straßendreck und einer Portion Ghetto-Romantik sehnen. Sido bietet genau das, sorgfältig inszeniert und in mundgerechten Stücken serviert.
Dass seine Fans immer jünger werden und er sich mit seinem Kurs vor allem in der HipHop-Szene nicht nur Freunde macht, kann ihm dabei völlig egal sein. Denn Erfolg lässt sich am Besten in Verkaufszahlen messen – und die geben ihm schließlich Recht.



Donnerstag, 27. November 2008

Sendung vom 26.11.2008

Tadaaa, le playlist!

1. Eminem - Role Model
2. Xzibit - At The Speed Of Life
3. The Roots - Rising Down
4. Q Tip feat. Norah Jones - Life Is Better
5. Talib Kweli feat. Norah Jones - Soon The New Day
6. Janet Jackson feat. Q Tip - Got Til It's Gone
7. Moka Only - Crazy
8. Cold Cut feat. Roots Manuva - True Skool
9. Brassmunk feat. Moka Only & Chris Rouse - How Bouts
10. Diverse - Ain't Right
11. Zion I - Boom Bip
12. J. Rawls feat. J Live - Great Live Caper
13. Mr. Lif - Ol' Crew
14. J Live - The 4th 3rd

Donnerstag, 20. November 2008

Sendung vom 19.11.2008

1. Eins Zwo - Flaschenpost
2. Cora E - Schlüsselkind
3. Wu Tang Clan - C.R.E.A.M.
4. A Tribe Called Quest - Verses From The Abstract
5. De La Soul - Stakes Is High
6. Cora E & Stieber Twins - Einmal Macco Zweimal Stieber
7. The Pharcyde - Passin' Me By
8. Massive Töne - Nichtsnutz
9. MC Rene - Ein Anderer Ausflug
10. Mobb Deep - Shook Ones Pt. II
11. Bahamadia - I Confess
12. Eins Zwo - Schön Dass Es Euch Gibt

Donnerstag, 13. November 2008

Playlist Sendung 12.11.

Helau!

Hier die Playlist von gestern, Mittwoch den 12. November

1. Roots Manuva - Clockwork
2. Reflection Eternal & Bahamadia - Chaos
3. Viktor Vaughn & Apani B Fly - Let Me Watch
4. Algorithm - CPU
5. Louis Logic & Grand Agent - Service The Target
6. Jazzy Jeff & Kel Spencer - The Definition
7. Foreign Beggars - Where Did The Sun Go
8. Unspoken Heard - Soon Come
9. All Natural - Renaissance
10. Main Flow, Donte, Piakhan & Holmskill - Queen City
11. Common & Cee-Lo - A Song For Assata
12. Immortal Technique & Jean Grae - You Never Know

Donnerstag, 6. November 2008

Sendung vom 05.11.2008

Ha, endlich ist alles mal reibungslos verlaufen!
Und hier die Tracks vom "Lokalpatriotismus-Special":

1. Nas - NY State Of Mind
2. Nas - NY State Of Mind Pt. II
3. Mos Def - Brooklyn
4. Edo G. - Boston
5. Jurassic 5 - Lausd
6. Evidence - Born In LA
7. Atmosphere - Ssshhh!
8. Beginner - City Blues
9. Advanced Chemistry - Heidelberg
10. Blumentopf - Mein Block
11. Massive Töne - Mutterstadt
12. AzudemSK - Mad Flavor

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Playlist Sendung 29.10.08

Das war ja mal wieder was, erst die falsche Sendung gelaufen, dann die andere vor Ende abgewürgt...
Hier die (vollständige) Playlist, garniert mit der Hoffnung auf ein reibungsloses nächstes Mal.

1. AzudemSK feat. Skilla - Charakterzüge
2. Too Strong - Too Strong Meets Business
3. Umse - Kultur
4. Huss 'n' Hodn - Der Erste
5. Curse - Kreislauf
6. Cora E feat. Stieber Twins und Curse - Tracks Ohne Refraingesänge
7. Torch - Kapitel 1
8. Donato - Science Fiction
9. Main Concept - Zu Fünft Unterwegs
10. Clueso - Sag Mir Wo
11. Blumentopf feat. Manuva - Goldrausch
12. Total Chaos - Hauptsache

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Kontrabass - Sendung vom 22.10.2008

Hier die Playlist vom kleinen Epitaph-Special am 22.10.:

1. Atmosphere - Trying To Find A Balance
2. Atmosphere - Lifter Puller
3. Eyedea & Abilities - Paradise
4. Eyedea & Abilities - Now
5. Eyedea & Abilities - E&A Day
6. Atmosphere - Always Coming back Home To You
7. Gift Of Gab - Way Of The Light
8. Gift Of Gab - Evolution
9. Pete Philly & Perquisite - Grateful
10. Pete Philly & Perquisite feat. Talib Kweli - Hope
11. Gift Of Gab - Flashbacks
12. Pete Philly & Perquisite - Amazed

Natürlich gibt's auf dem Label noch mehr gute Sachen, auch wenn die nicht mehr den Weg in die Show geschafft haben...
Um nur die Namen zu nennen: Blackalicious, The Coup, Dangerdoom, Busdriver, Sage Francis, Lateef, Lyrics Born...

Montag, 20. Oktober 2008

Kontrabass bei Radio Q

So, ab letzte Woche gibt es die wöchentliche Sendung bei Radio Q, immer Mittwochs von 22-23 Uhr. Die Frequenz ist 90,9 mHz mit Antenne, Kabel weiß ich grad nicht, aber wegen des schlechten Empfangs ist es eh besser, das Ding zu streamen, und zwar unter www.radioq.de

Hier die Playlist der ersten Sendung vom 15.10.2008:

1. Jurassic 5 - The Influence
2. Typical Cats - Easy Cause It Is
3. Roots Manuva - Well Alright
4. Lupe Fiasco - Gold Watch
5. Common feat. Last Poets & Kanye West - The Corner
6. Pete Rock - Dont be Mad
6. Masta Ace feat. Punch & Words - Block Episode
7. Atmosphere - The Waitress
8. Eyedea & Abilities - Music
9. Outkast - ATLiens
10. Dangermouse & Jemini - Ghetto Pop Life
11. King Geedorah - Next Levels
12. RJD2 feat. Copywrite - June

Dienstag, 7. Oktober 2008

Königsklasse

Es gibt Momente im Leben, an denen Magie in der Luft liegt. Momente, an denen man weiß, Teil von etwas Großem zu sein. Wenn sich das Warten und die Vorfreude verdichten zu einem intensiven Gefühl, das Euphorie heißt. Und ein Blick in die Gesichter der Umstehenden bestätigt: den anderen geht es genauso. So oder so ähnlich mag es den rund tausend Leuten ergangen sein, die am Donnerstag in den Skaters Palace gepilgert waren, zu einem Konzert-Ereignis im wahrsten Sinne des Wortes. ‚Königsklasse’ ist dieser Abend betitelt, und tatsächlich hat sich der Hiphop-Hochadel eingefunden: Die Stieber Twins sind gekommen, jene legendären Heidelberger, die 1996 mit ihrem ersten und einzigen Album mal eben Hiphop-Geschichte geschrieben haben. Der Auftritt der Zwillinge ist aber nur ein Höhepunkt des ohnehin hochkarätig besetzten Abends - auch das Vorprogramm kann sich sehen lassen: Lokalmatador AzudemSK (Daily News) und Black Market aus Duisburg machen den Anfang und sorgen bereits für ordentlich Stimmung.

Dann folgt das Hauptprogramm: die Überflieger Huss’n’Hodn entern die Bühne und lösen Begeisterungsstürme aus. Mit ihrem Mix aus samplelastigen Boombap-Beats und den aufrichtig-unperfekten Battletexten haben sie wohl den Nerv der Zeit getroffen – die Fans feiern die überzeugende Bühnenshow der Kölner ausgiebig.

Scheißegal-Haltung, konsequente Selbstironie und Traditionsbewusstsein vereinen sich zu einem Ganzen, das sich erfrischend absetzt vom protzigen Einheitsbrei der Rapkollegen. Ausgedehnte Freestyleparts untermauern den Eindruck: Die Jungs gehören zu den Guten.

Genau wie Ruhrpott-Veteran Aphroe, der im Palace schon so etwas wie eine zweite Heimat gefunden hat und das Zepter von Huss’n’Hodn übernimmt. Probleme, die Leute mitzureißen, hatte der Bochumer noch nie - vom ersten Takt an hat er die Fans auf seiner Seite. Zusammen mit Rheza und DJ Rafik liefert der sichtlich gut aufgelegte Aphroe ein Programm ab, das keine Fragen offen lässt.

Dann wird es Zeit für den Höhepunkt des Abends: „Martin Jekyll, Christian Hyde, Stieber Twins!“ schallt es aus den Boxen, und es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Man könnte meinen, dass sie neun Jahre nach ihrer letzten Single jede Relevanz verloren hätten, doch das Publikum liefert den eindrucksvollen Gegenbeweis. Wie die verlorenen Söhne werden die Zwillinge gefeiert, Special Guest Cora E. macht das Heidelberger Triumvirat komplett.

Damals standen die drei an der Wiege des deutschen Hiphop, leisteten mit ihrer Musik Pioniersarbeit; heute Abend tragen sie die Früchte ihrer Arbeit davon. 1000 begeisterte Fans, die sich auf ihre Weise bedanken: Euphorisiert, gerührt und mit dem Bewusstsein, Zeuge eines großen Momentes zu sein. Ein einzigartiger Abend, an den man sich noch lange erinnern wird.



Freitag, 22. August 2008

Fleet Foxes

Manchmal ist es das Cover einer CD, die das Interesse des Musikliebhabers weckt. In einer unüberschaubaren Flut an Neuveröffentlichungen ist das Visuelle oft der erste Schlüsselreiz. Die Band Fleet Foxes, wie auch Iron&Wine (s.u.) bei SubPop unter Vertrag, hat das Prinzip verstanden: das Cover ihres Debut-Albums ziert ein Gemälde des flämischen Renaissance-Malers Pieter Brueghel aus dem Jahr 1559, „Die Niederländischen Sprichworte“. Was für Musik mag dahinter stecken? Neugierige Hörer werden auch in der Musik eine Art Renaissance entdecken: das Quartett aus Seattle liefert auf dem schlicht Fleet Foxes betitelten Album eine erstklassige Neuauflage des in den späten 60er Jahren so populären Folk-Rock. Damals vor allem durch Interpreten wie Simon&Garfunkel und Crosby, Stills, Nash & Young groß geworden, führt diese Musik im 21. Jahrhundert eher ein Schattendasein. Fleet Foxes gelingt eine erfrischende Neuauflage des vergessenen Genres, die kein Plagiat sein will, sich gleichzeitig aber in Gesang, Instrumentierung und Songwriting deutlich an die alten Vorbilder anlehnt. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Shins, Sufjan Stevens und Band Of Horses, der Ansatz ist jedoch konsequenter: Schellenkranz, Orgel und Querflöte, mehrstimmige hymnische Arrangements und viel Hall verleihen den wundervollen Stücken eine kristallklare, himmelblaue Weite. Nostalgie, Sehnsucht und ein selbstbewusstes Bekenntnis zur Schönheit der Musik ziehen sich als roter Faden durch das Album, ohne auch nur ein einziges Mal aufgesetzt oder deplaziert zu wirken. Das ist das große Verdienst dieser herausragenden Platte.

Freitag, 16. Mai 2008

Iron & Wine


Unter dem Namen Iron & Wine erschien 2007 das dritte Album des Songwriters Sam Beam aus Florida, „The Shepherd’s Dog“. Eine Platte, die im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen reich instrumentalisiert ist, vielschichtiger und deshalb auch schwerer zu fassen. Skizzieren lässt sich Beam am ehesten als Singer-Songwriter und Neo-Folk-Pionier. Aber gegen zu einfache Kategorisierungen wehrt sich das Album erfolgreich. Äußerst verschroben kommen die Stücke daher, mal countryesk, mal reduziert perkussiv, mal vielschichtig opulent. Eine Vielzahl von Instrumenten setzt Beams Visionen in Klang um, es wabert psychedelisch umher, lange Instrumentalpassagen laden zum Verweilen und Sich-treiben-lassen ein. Immer wieder ein satter Kontrabass, Banjos, Slide-Gitarren und Streicher; Orgeln und sogar eine Sitar tauchen auf und ab, werden beinah unmerklich in den dicht verwobenen Klangteppich integriert. Träumerischer Gesang und wunderschöne Melodien treffen auf geheimnisvoll in sich gekehrte Arrangements. So vielschichtig sich Beam hier auch präsentiert, gemeinsam ist den Stücken eine große Ruhe. Ohne Hast leitet er durch das Album, vorbei an ein paar wahren musikalischen Kleinoden und vielen ruhigen Momenten. Ein rätselhaft-versponnenes Werk, dessen Größe sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

Neues von Portishead


Vierzehn Jahre ist es her, da standen Portishead zusammen mit Massive Attack und Tricky an der Wiege einer neuen Musikrichtung. Langsame Hiphop-Beats, bleischwere Melancholie, düstere Samples - was als Trip Hop ein paar Jahre für Furore sorgte, erstarrte jedoch schnell zur Pose. Heute klingt der Sound aus Bristol wie ein Relikt vergangener Tage. Beth Gibbons, die unverwechselbare Stimme von Portishead, veröffentlichte noch ein Soloalbum, dann wurde es still um die Band. Unweigerlich stellte sich nun, nach elf Jahren, die Frage nach der Relevanz eines neuen Albums. Vieles ist passiert, die Angst vor einem schlappen Aufguss des alten Sounds nicht unbegründet. „Third“ tappt allerdings nicht in die Recycling-Falle. Sicher, die sparsamen Gitarrentöne, die Moog-Synthesizer und vor allem Gibbons’ schmerzvoller, zerbrechlicher Gesang klingen wohlig vertraut. Es rumpelt hier und da, die Musik oszilliert zwischen noisigen, industriellen Beats und einer zarten, schönen Zerbrechlichkeit. Und doch ist der Band mit „Third“ etwas Neues gelungen. Die alte sample-basierte Arbeitsweise wurde abgelegt, das Tempo angezogen und neues Terrain beschritten. Mächtige Synthesizer paaren sich auf „We Carry On“ mit gradlinig stampfenden Beats, die an Björk denken lassen. Eine nur mit der Ukulele begleitete Folkballade schleicht sich fast unbemerkt an, im Anschluss rumpelt die Single „Machine Gun“ ungestüm drauflos. Nur bei „Hunter“ werden deutlich Erinnerungen an Vergangenes wach. Anders als bei den früheren Alben behalten sich viele Stücke Überraschungen vor, brechen abrupt mit den Erwartungen. Third ist sperrig, irritiert und erzeugt Reibung. Doch über allem liegt die wohlige Vertrautheit von Beth Gibbons’ düster-klagendem Gesang, der das Album trotz aller Disparität zu einer harmonischen Einheit führt.

Sonntag, 20. Januar 2008

Songwriter mit merkwürdigen Namen

In der deutschen Songwriterszene scheint es momentan modern zu sein, sich möglichst skurrile Namen zu geben. Da heißen die Bands dann „Der Hund Marie“ oder „Der Tante Renate“. Gisbert Zu Knyphausen und Herr Hund knüpfen scheinbar nahtlos an diesen Trend an. Doch auch wenn der Name etwas klamaukig klingt, sollte man daraus nicht direkt auf die Musik besagter Künstler schließen. Am Samstagabend waren beide im Amp zu sehen. Schnell ist klar: so lustig wie der Name klingt, ist Herr Hund gar nicht. Der münsteraner Solokünstler spielt, nur mit einer E-Gitarre bewaffnet, zerbrechlich wirkende Songs, die manchmal wütend herausbrechen, meistens aber eine eher leise Melancholie verströmen. In den besten Momenten haben die Stücke etwas von der Tragik und Dramatik von Radiohead. Die letzten drei Songs spielt er mit Unterstützung am Bass und Schlagzeug, was der Musik durchaus gut tut. Dann ist es Zeit für Gisbert Zu Knyphausen: Der Singer-Songwriter mit dem merkwürdigen Namen ist zum zweiten Mal im Amp, und der Laden ist voll. Beinah unscheinbar steht er auf der Bühne, singt mit geschlossenen Augen vom Zeitverschwenden, geteilter Einsamkeit und der Suche nach dem Glück. Unterstützt wird er dabei von seiner Band, mit der sich Knyphausen souverän einreiht in die deutsche Indierockelite. Seine Stücke sind nachdenklich, die bildlichen Texte repräsentativ für die Generation der Mittzwanziger, die sich zwischen zielloser Getriebenheit, dem Leben im Hier und Jetzt und einer vagen Melancholie bewegt. Es geht um Trostlosigkeit, Langeweile, Freiheitsdrang und der Suche nach einem Halt im Leben. Der Taumel des Lebens und das Herauszögern des Momentes, an dem es ernst wird und alle Unbekümmertheit verfliegt – davon handeln seine Lieder. Ein Lebensgefühl in Musik verpackt. Das ist alles nichts neues, aber nett anzuhören.

Fruity Sista Orchestra

Es ist ein bisschen wie ein großes Wohnzimmer. Mit seinen Teppichen und Sofas strahlt das Amp eine gemütliche Atmosphäre aus – zumindest bevor die feierwütigen Massen die Tanzfläche in Beschlag nehmen. Und ein Teil des loungigen Ambientes wird bei Bedarf zur Bühne und damit zum Schauplatz von großartigen Konzerten in intimer Atmosphäre. Seit 2007 finden dort regelmäßig Gigs statt, musikalische Grenzen gibt es nicht. Am Samstag gab sich das Fruity Sista Orchestra (FSO) die Ehre. Die junge münsteraner Formation greift mit ihrer Musik auf das zurück, was im Bereich von Funk, Disco und Soul in den letzten 30 Jahren passiert ist. Und dabei fühlt sich die Band wohl wie Fische im Wasser. Die Bandbreite reicht von zurückgelehnten, gefühlvollen Balladen über synkopierte, gebrochene Grooves bis zu gnadenlosen Dancefloorbrettern, bei denen auch der letzte Eckensteher nicht mehr ruhig bleiben kann. Funk, Soul, Disco – alles wird hier mit Großbuchstaben geschrieben. Es dauert vielleicht zwei Nummern, bis das Eis gebrochen ist, dann geht es nur noch aufwärts. Die Band groovt sich ein, der Funke springt über. Manchmal weiß man nicht, wer mehr Spaß hat, die Musiker oder das Publikum. Heute Abend scheint alles zueinander zu passen. Frontfrau Stephie Krusche hat die Meute im Griff, lässt sie mitmachen, und einmal muss die Band noch einmal einsetzen, weil die Fans nicht aufhören zu singen. Die vehement eingeforderte Zugabe beendet das Konzert nach gut anderthalb Stunden, aber der Eindruck bleibt – eine Band mit viel Potential und vielleicht noch mehr Freude und Enthusiasmus.

Beatshopping

Fast genau ein Jahr ist es her, dass im Hot Jazz Club der Grundstein für ein ehrgeiziges Projekt gelegt wurde: Hiphop, live umgesetzt mit einer kompletten Band, ganz im Stile großer Vorbilder wie The Roots oder auch dem Freundeskreis. Das Konzert am 29.12.2006 war überaus gut besucht, und im Nachhinein war man sich einig, Zeuge eines großen Momentes gewesen zu sein. Ein Jahr ist seither vergangen, aber die Spielfreude und das Engagement der einzelnen Musiker sind noch immer ungeschmälert. Davon konnte man sich am 26. Dezember im Whatever beim Skaters Palace überzeugen. Man hatte zum Beatshop gerufen, und die Fans waren zahlreich erschienen. Die Lokalmatadoren Daily News, der Ratinger Umse und die alteingesessene Crew 2ltaim, ebenfalls aus Münster, zeigten eindrucksvoll, wie Hiphop auch funktionieren kann: nämlich spannend, energiegeladen und mitreißend. Begleitet von gleich zwei kompletten Bandbesetzungen lieferten alle ein sehenswertes Programm ab. Die bekannte westfälische Zurückhaltung war dann auch schnell verflogen, als Daily News, begleitet von den Musikern von MS Finest, die Bühne betraten. Die Lokalmatadoren wissen, wie man Party macht, und so hatten sie das Publikum im Nu auf ihrer Seite. Nach einem zu Recht bejubelten Auftritt war es Zeit für den Ratinger Newcomer Umse, der seine Popularität unter anderem dem Netzwerk MySpace zu verdanken hat. Er wusste das Publikum mit cleveren Wortspielen und wohl durchdachten Alltagsbetrachtungen zu überzeugen – Hiphop mit Bodenhaftung im Stile von Eins Zwo. Den Abschluss des Abends bildete dann die Gruppe 2ltaim in Begleitung der Band DefClef, die noch einmal alle Kräfte des erschöpften Publikums mobilisieren konnte. Ein überaus gelungener Abend - bitte mehr davon!

(Foto von Chimo Rosenau)

Montag, 14. Januar 2008

Nederhop

Werfen wir mal einen Blick auf die Hiphop-Szene in unserem netten kleinen Nachbarland. Hiphop und Holland - fängt zwar beides mit H an, würde man aber sonst wahrscheinlich nicht direkt miteinander in Verbindung bringen. Ich meine, was kennt man schon an Musik aus Holland? 2Unlimited, Caught In The Act, Charlie Lownoise & Mental Theo, DJ Tiesto...Alles nicht gerade Garanten für gute Musik.
Und im Hiphop? Mh...Den meisten fällt da wahrscheinlich gar nichts zu ein. Wenn man aber ein wenig nachdenkt, könnte man doch auf ein zwei Sachen kommen. Für Furore, auch in Deutschland, haben Pete Philly & Perquisite gesorgt, als ihr erstes Album erschien, ich meine es war 2006. Mindstate heißt das Ding, und der Name ist hier Programm: Die Titel sind nach Gemütszuständen benannt, und das Konzept dahinter ist, naheliegend, eine musikalische Umsetzung der Titel. Das ist größtenteils geglückt, und so ist ein interessantes Album entstanden, das vor allem wegen der sehr musikalischen und vielschichtigen Beats mehr als nur hörenswert ist. Ende letzten Jahres kam dann das zweite Album, Mystery Repeats, und auch das sollte man nicht an sich vorbeiziehen lassen. Im Grunde wird der musikalische Kurs des ersten Albums fortgeführt - musikalische Beats, oft mit Live-Instrumenten und leichten Jazz-Einflüssen, aber nie verfrickelt und seicht, sondern immer mit dem nötigen Druck dahinter. Hören und kaufen!

Das alles ist auf Englisch und damit auch für die meisten verstehbar. Es gibt aber natürlich auch Hiphop in der Landessprache. Wie auch in Deutschland erfährt Hiphop-Musik im Moment einen großen Hype, und Hypes habern es meistens an sich, dass sie viel Mist mit an die Oberfläche spülen. Da ist auch Holland keine Ausnahme.
Allerdings muss man dort momentan nicht so tief graben wie in Deutschland, um Veröffentlichungen zu finden, die einem gewissen Anspruch an Texte und Beats gerecht werden. Im Gegenteil, an der Spitze der 'Nederhop'-Szene marschieren seit ein paar Jahren drei Jungs aus Zwolle, die mit ihrer Musik einen ganz anderen Weg verfolgen als die zahllosen Ami-Rap-Kopien mit immer gleichen Beats und Inhalten. Opgezwolle beweisen seit nunmehr 3 Alben, dass es möglich ist, eine eigene musikalische Vision abseits ausgetretener Pfade und Anbiederei an all die Kanye West's da draußen zu verfolgen. Und damit obendrein noch großen Erfolg zu haben. Ihr letztes Album EigenWereld ist ein Musterbeispiel an facettenreicher Eigenständigkeit, manchmal recht sperrig, aber konzeptuell musikalisch wie auch textlich äußerst gelungen. Opgezwolle sind für die niederländische Hiphop-Szene das, was IAM für Frankreich ist. Oder so ähnlich zumindest.

Hier das Video von "Rustug" (ruhig):



Und hier das Video von "Verre Oosten" (Ferner Osten), eine Hommage an ihre Heimat Zwolle (mäßiges Video, aber Knaller-Track!)




Und dann gibt es da noch Typhoon. Dieser junge MC, er ist um die 20, stammt ebenfalls aus dem Opgezwolle-Dunstkreis. Seine bisherigen Singles und Features hatten mich nicht gerade überzeugt. Zu oft waren da Refrains, die an Peinlichkeit grenzten, jede Menge Popappeal und Gefälligkeit, Durchschnittlichkeit und wenig originelles. Seine Single "Vluchtgedrag" (Fluchtverhalten)zum Beispiel, in der er für mehr Toleranz gegenüber Flüchtlingen plädiert, ist zwar gut gemeint, leidet aber an Überambitioniertheit, schlimmem Refraingesang und gleichzeitig einer schwachen Produktion. Das, so war mein Eindruck, ist bei Typhoon meistens der Fall, und so hatte ich ihn schon komplett abgeschrieben.
Als ich dann aber von seinem Soloalbum erfuhr und davon, dass Opgezwolle-Producer Delic einen Großteil der Beats produziert hat, wurde ich doch neugierig. Nun, Delic hat einen Beat auf dem Album, dementsprechend wurden meine Erwartungen enttäuscht. Aber das ist auch die einzige Enttäuschung - Es gab lange kein Album mehr, das mich so umfassend überzeugt hat und, mehr noch, mich schier euphorisch gestimmt hat. Tussen Licht En Lucht ist, ohne zu sehr zu übertreiben, ein Instant-Klassiker. Das Album ist eine organische Einheit mit teils überragenden Produktionen und ohne einen einzigen wirklichen Tiefpunkt. Die Beats haben immer die nötige Kraft, und wo man zu Anfang noch skeptisch zuhört, weichen die Zweifel bald ungeminderter Begeisterung. Musikalisch höchst abwechslungsreich kommt das Album daher, mit zwei dicken Brettern direkt am Anfang, nur um danach ins nachdenklich-ruhige abzugleiten. Live-Instrumentierung unterstützt ein paar Nummern, und nur bei ein oder zwei Tracks kommt ein vages schon-mal-gehört-Gefühl auf. Ansonsten klingt das Ganze überraschend fresh, originell und unverbraucht. Typhoon beherrscht sein Fach, überzeugt auf allen Gebieten der MC-Kunst. Ob es nun persönliche Texte sind, philosophische Überlegungen oder Representer-Lyrics, der Mann weiß was er tut. In einem Forum wurde ein Vergleich zu Nas und seinem Meilenstein-Debut Illmatic gezogen, und auch wenn man sich hier in den höchsten Sphären der Hiphop-Geschichte bewegt, ist der Vergleich gar nicht so abwegig. Ein junger hungriger MC, ausgestattet mit großem Talent und überragenden, zeitlosen Beats - insofern passt der Vergleich wie Arsch auf Eimer. Typhoons Debut ist momentan mit das Beste, was Holland in Sachen Rap zu bieten hat, und für mich ist es nachträglich noch in meine Top-3-Hiphop-Alben-Liste für 2007 reingerutscht. Großartig!


Hier das Video zu "Volle Maan" (Vollmond):


Das hier ist der Opener des Albums, "Hotel Beschaving" (Hotel Kultiviertheit/Zivilisiertheit), leider kein wirkliches Video ;-):

Samstag, 22. Dezember 2007

Jan Klare macht einen drauf

Beim Westfälischen Kunstverein im Landesmuseum konnte man im November Zeuge werden von einem abenteuerlichen Streifzug durch die Randbereiche des modernen Jazz. Das Off-Domicil-Orchestra bot unter der Leitung von Jan Klare eine in vielen Beziehungen einmalige Vorstellung.
Eine unüberschaubare Anzahl von Instrumenten war aufgebaut, um die Visionen von Klare in Klang umzusetzen. Die Marschrichtung war von Anfang an klar: kleine Brötchen werden woanders gebacken. Kompromisslos der Einstieg, mächtig im Sound und ungeheuer vielschichtig. Störgeräusche aus dem Synthesizer, sphärische Klänge, aus denen sich langsam eine Harmonie herausschält, ozeanische Klangtiefen. Dann wieder ein bedrohliches Bassthema, Stimmenfragmente im Hintergrund, beklemmende Spannung.
Im nächsten Stück hingegen eine funky Gitarre, treibende Drums und ein unerbittlich groovender Bass. Man weiß nie, was als nächstes kommt. Die Stücke bewegen sich auf und nieder, von absoluter Extase bis zu Momenten fast totaler Stille. Manche entfalten sich schier endlos, hängen in der Luft, irren scheinbar ziellos umher. Melodien werden angedeutet, nur um direkt wieder demontiert zu werden. Sinfonische Weichheit, klassischer Jazz und Momente von hymnischem Pop stehen neben kakophonischem Lärm, atemlosen Drumsolos und wuchtigen Heavy-Metal-Riffs. Und immer wieder die nicht enden wollenden Crescendi, minutenlange Steigerung bis zum Siedepunkit und darüber hinaus. Klare beansprucht sein Publikum, fordert es heraus. Der Abend steht im Zeichen von organisiertem Chaos, wilder und ungezähmter Spielfreude und dem unüberwindbaren Drang, Konventionen über den Haufen zu werfen. Ein einmaliges Erlebnis - extensiv, exzessiv, ekstatisch.




Dienstag, 11. Dezember 2007

Schreib doch mal wieder...

...dachte ich mir heute. Lang lang ists her. Untenstehender Eintrag von Hendrik ist das letzte, was hier in Monaten passiert ist. So kann und soll es nicht weitergehen. Ab jetzt versuche ich wenigstens etwas Regelmäßigkeit in die ganze Angelegenheit zu bringen.

Zur Auffrischung erstmal eine Nachricht, die mich persönlich betroffen macht: Kinderzimmer Productions, die von mir so geschätzten Hip Hop-Querdenker, hören auf. Das wurde zumindest durch MC Textor verkündet.
Gründe seien u.a. die finanzielle Lage der Band und, was aufhorchen lässt, der Status Quo von Hip Hop in Deutschland anno 2007. Man könne sich mit dem, wie Hip Hop heute verstanden werde, nicht weiter arrangieren. Die Kluft zwischen dem normativen Ansatz der Ulmer Jungs und der Realität in Hip Hop-Deutschland ist anscheinend zu groß geworden. Schade ist das, verständlich aber auch. Ich erinnere mich noch an das übrigens großartige Konzert im Oktober im Gleis 22. Die üblichen Verdächtigen, die man auf jedem noch so mittelprächtigen Konzert im Skaters Palace antrifft, hat man hier vergeblich gesucht. Kaum bekannte Gesichter, vor allem Indie-Publikum. Der Geist des Hip Hop schwebte an diesem Abend kaum durch den Raum, nur vereinzelt konnte man vermeintliche Die-hard-Fans erspähen.
Kinderzimmer Productions, das ist immer schon Hip Hop für Leute gewesen, die eigentlich kein Hip Hop hören. Oder zumindest eher für die, die sich auch gerne auf anderes Terrain begeben und keine Berührungsängste kennen. Sperrig, manchmal verkopft, verschachtelt, dann wieder voll auf die zwölf, aber immer mit unverkennbarer Attitüde. Abseits von ausgetretenen Pfaden. Man könnte sich nun Schwärmereien, Lobeshymnen hingeben. Aufgrund des traurigen Anlasses verbleibe ich aber in respektvoller Andacht für diese Ikonen des Indie-Hiphop.
Der Rest ist Schweigen.

Zwei lesenswerte Interviews dazu gibt es übrigens hier und hier.

Montag, 25. Juni 2007

Chartgedöns

Normalerweise sind ja die Charts etwas, das mich nur am Rande interessiert. Manchmal freue ich mich, dass es ein gutes Album auf eine respektable Platzierung geschafft hat, meistens aber wundere ich mich eher über den offensichtlich schlechten Geschmack der 'Masse', so elitär und verallgemeinernd das auch klingen mag. Nun aber wurde ich aufmerksam gemacht auf eine Webseite, die zumindest zum kurzweiligen Stöbern einlädt: auf Metacritic.com gibt es einen Überblick über die besten (und schlechtesten) Alben der letzten Jahre. Auf Basis von Rezensionen wird eine durchschnittliche Bewertung auf einer 100er-Skala vorgenommen - alle Veröffentlichungen, die in mehr als 6 Publikationen besprochen wurden, werden aufgenommen. So findet sich eine Auflistung, die nicht direkt etwas mit den Verkaufszahlen zu tun hat - was einigen Alben eine durchaus hohe Platzierung ermöglicht: So ist das großartige "Madvillainy" von Madlib & MF Doom auf Platz 6 der besten Alben seit 2000! Die einzigen, die es zweimal in die Top 20 geschafft haben, sind übrigens Outkast, Tom Waits und The Streets. Zu Recht, sage ich! Bei einem Klick auf die entsprechenden Platzierungen gibt es ausführlichere Informationen, Verlinkungen usw. Und, neben Musik gibt es noch diverse andere Rankings, z.B. von Filmen - Viel Spaß beim Stöbern!

Donnerstag, 14. Juni 2007

Kinderzimmer Productions - keine kleinen Brötchen mehr...

Eine freudige Nachricht erreichte mich kürzlich aus den Tiefen des MySpace-Universums: die Jungs von Kinderzimmer Productions haben die Arbeiten an ihrem neuen Album offensichtlich abgeschlossen, und so kommt ihr neuestes Baby "Asphalt" am 22.06. in die Läden. Für mich Grund genug, mir mal die neuen Tracks zu Gemüte zu führen, die allesamt auf ihrer MySpace-Seite anzuhören sind.

"Asphalt" ist bereits Album Nummer sechs, und wer die Vorgänger kennt, weiß worauf er sich einzustellen hat: Ein buntes Sammelsurium der unwahrscheinlichsten Samples, rumpelnde, dreckige Beats und vom MC Textor eine Attitüde, die sich schon immer (bewusst?) den gängigen Schemata und Rollenmodellen der Hiphop-Szene verweigerte. "Ich repräsentiere einen Scheiß, ich bin einfach nur da". Als Einflüsse werden immer wieder Eric B & Rakim genannt, Run DMC, Boogie Down Productions oder Gangstarr. Aber auch der Samplewizard Madlib/Quasimoto wird von den Jungs als Referenz herangezogen. Und in Bezug auf die Vorgehensweise beim Samplen lassen sich durchaus Parallelen feststellen zwischen dem Producer aus Oakland und dem Ulmer Quasimodo (die sich lustigerweise bis in die Namensgebung fortsetzen lassen). Aber da wo Madlib knietief im Jazz der 70er Jahre steht, scheinen die Kinderzimmer Productions ihre Referenzen etwas früher verortet zu haben, im Jazz der 30er bis 60er Jahre.

Aber nicht dass das alles wäre - benutzt wird alles was irgendwie reinpasst, so abwegig die Assoziationen auch sein mögen. So finden sich auf ihren Platten seit jeher Leute wie Thelonoius Monk, die Stranglers, Kraftwerk, Billie Holiday und Neil Young als gleichberechtigte Referenzen nebeneinander wieder. Der MC Textor glänzt dabei mit Texten, die voll sind von Anspielungen und intertextuellen Verweisen und führt so im Grunde das Prinzip fort, das schon bei der Beatproduktion angewendet wird. Seine Referenzen reichen dabei von teils schon genannten Old-School-Größen wie Rakim, Guru, EPMD, Run DMC und KRS One bis hin zur deutschen Literatur mit Heinrich Böll, Thomas Mann und Siegfried Lenz. Aus seiner Bildung macht er keinen Hehl, und das ist auch gut so, sind seine Texte doch oft wahre Kleinode, voll von klugen Aphorismen über das Leben, abwegigen Vergleichen, humorvollen Geschichten und um die Ecke gedachten Assoziationsketten. Textors Umgang mit der deutschen Sprache sucht seinesgleichen - hierzulande vielleicht nur noch erreicht durch Leute wie Dendemann oder Aphroe von RAG.

Hip Hop für Intellektuelle also? Nicht unbedingt, auch wenn die Musik der Kinderzimmer Productions durchaus schwer zugänglich sein kann. Aber oft sind ja die Alben, die sich erst nach mehrmaligem Hören erschließen lassen, auch diejenigen, die einen lange Zeit begleiten und mit der Zeit immer besser werden.

Was erwartet uns also auf dem sechsten Album? Die letzte Platte "Irgendjemand Muss Doch" war wohl das schwächste Album in der Diskographie der Jungs. Aber die neuen Tracks überzeugen - es ist alles beim Alten, und es poltert und rumpelt, dass es eine helle Freude ist, und Textor ist in Hochform und beweist einmal mehr seine Klasse als MC. Nicht dass man sich wiederholen würde, aber es ist doch zweifelsohne der Trademark-Sound der Ulmer, der sie in der deutschen Hiphop-Landschaft so einzigartig macht, und der uns auch hier wieder vom ersten Ton an entgegenschlägt.

Mit einem leicht schrägen, jazzigen Intro wird der Hörer ins Kinderzimmer-Universum eingeführt. "Das T", der Eröffnungstrack, zeigt dann gleich die Marschrichtung an. Über ein groovendes, perkussives Instrumental liefert Textor einen Representer-Track in bester Kinderzimmer-Manier ab: "Ich bin der, der Handgriffe an das Unfassbare macht". Nach diesem nocht recht konventionellen Opener geht es dann aber direkt tief in die Frickelkiste - "Kickstart Mein Hirn" holpert herein, und man braucht durchaus eine Weile, bis sich der Rhythmus des Tracks erschließt. Oder ändert sich der Takt andauernd? "Will Fulfill" ist dann wieder zugänglicher. Ein groovender Basslauf, ein dreckiges Drumset, ein paar Sampleschnipsel und Textors Wortspielereien: "Tanzt nach meiner ihr Wasserpfeifen könnt mir nicht das Wasser reichen ich gehe über Wasser und über Wasserleichen" - So fühlt sich Zuhause an.

Nach dem langsamen, beinah schleppenden "Sind Sie Da" folgt eine Fortsetzung der Kollaboration Textors mit seinem prästimmbrüchigen-helium-gepitchten Alter Ego namens Tek Beton - Madlib lässt grüßen. "Was Du Hast" ist eine Ode an den Materialismus und pure Angeberei, das ganze aber nicht ohne die typische ironische, augenzwinkernde Konnotation. "Geh Kaputt" ist dann einer der wenigen Tracks, in dem sich eindeutig ein Thema ausmachen lässt - Mit beinah stoischer Ruhe erzählt Textor über einem minimalistischen Beat von alltäglichen Zerreißproben im Umgang mit Nachbarn und Mitmenschen und verliert sich gedanklich in Racheszenarios - natürlich ohne nach außen hin die Beherrschung zu verlieren: "Mein innerer Wutmensch hat nen Dämon als Nebenbuhler, der wünscht dich in die Fänge einer Gang gewaltbereiter Lederschuhe" - schön, auch wenn humorige Lyrics nicht gerade zu Textors Stärken gehören.

Eins der besten Stücke des Albums ist "Der Durchbruch". Ähnlich durchschlagend wie damals "Wir sind da wo oben ist" und textlich in einer Linie mit "Styles ohne Ende" vom letzten Album - ein Kopfnicker, ein Brett von Beat in bester Boom-Bap-Tradition und definitiv ein Single-Kandidat, auch wenn ihnen der selbstbewusst proklamierte Durchbruch vielleicht nie mehr gelingen wird. Auch hier, wie schon bei "Sind sie da", kommen im Chorus dezente Scratches zum Einsatz, was dem Track durchaus gut tut. Und Textor ist in Höchstform - "auf einem Beat der zieht wie ein Biest an der Leine".

Und dann, wenn das Album eigentlich schon zu Ende ist, kommen nochmal zwei großartige Tracks um die Ecke - das kryptische "Die Stadt die es nicht gibt", und "Ononon", in dem Textor in bester Storyteller-Manier von einer unangenehmen Begegnung erzählt. Dann ist das Spektakel vorbei, und ein düsteres, fast schon zu langsames Outro führt uns mit dominierendem Plattenknacken und ein paar diffusen Soundfragmenten aus dem Album heraus, hinein ins Nichts. Kinderzimmer Productions eben.

Das Kinderzimmer auf MySpace

Sonntag, 10. Juni 2007

Einen schönen guten Abend allerseits...

Hier werde ich in Zukunft über Musik schreiben - und über alles andere was mir relevant erscheint. Alles höchst subjektiv und ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Allgemeingültigkeit.
Viel Spaß beim Lesen!

Beginnen möchte ich mit ein paar Hip Hop-Alben, die in letzter Zeit ihren Weg in meine Anlage gefunden haben.
Hip Hop hat es mir in den letzten Jahren immer schwerer gemacht, mich für ihn zu begeistern. Natürlich gibt es unglaublich viel Potential im Untergrund, aber was momentan die Massen erreicht, hat nur noch peripher mit dem zu tun, was mich damals zu dieser Kultur und damit auch zu der Musik gebracht hat. Nun ja, diese Einstellung ist nicht neu, und originell ist es auch nicht, den Status Quo der Rapmusik im Jahre 2007 anzuprangern. Das haben andere vor mir besser getan. Deshalb will ich mich auch nicht weiter in Allgemeinplätzen verlieren; worauf ich hinaus will ist, dass es - glücklicherweise und fast schon überraschend - die alten Hasen im Game sind, die mit ihren neuen Alben eine Alternative zum synthetischen Einheitsbrei bieten.

Da ist zum Beispiel Common, der zwei Jahre nach seinem großartigen Album "Be" bereits den nächsten Instant-Klassiker raushaut. Das Ding heißt "Finding Forever" und wird so ab Juli in den einschlägigen Plattenläden zu kaufen sein. Und was man bisher übers Netz hören konnte, lässt zu Recht hoffen auf einen würdigen "Be"-Nachfolger. Für die Produktion zeichnet, wie auch schon bei "Be", hauptsächlich Kanye West verantwortlich. Und er gefällt mir immer besser - das nervige Stimmengepitche, mit dem er einen beinahe universalen Trend im Produzieren mitbegründet hat, rückt in den Hintergrund. Was bleibt, sind kompromisslos tighte Produktionen, die von roughen, treibenden Kopfnickerbeats (The Game) bis zu schönen, souligen Tracks (Black Maybe) reichen. Dafür kriegt er auf dem Stück "The People" die nötigen Credits: "My daughter found Nemo, i found the new Premo". Common beweist immer wieder, dass er jeden Beat perfekt zu beherrschen weiß und beeindruckt durchgehend - seine Raps sind zwingend und absolut auf den Punkt, und er beweist einmal mehr, dass er zu den momentan besten MCs gehört. Auf der Producerseite sind neben Kanye der ehemals geschätzte Will.I.Am am Start, der mit seinem Martin Luther King-Sample zumindest zufriedenstellt (A Dream). Der Überproduzent J Dilla hat posthum einen Beat beigesteuert, auf dem Common von D'Angelo begleitet wird (So Far To Go), und auch sonst sind die Gäste nicht überraschend - Dwele, Bilal und Kanye himself, alles alte Bekannte also. Und noch ein alter Hase ist mit im Boot: DJ Premier steuert für die Single The Game seine Trademark-Cuts bei. Und für diese gilt, was man auch fürs ganze Album sagen kann: Nichts neues, aber wie gewohnt gut.

Weiter gehts mit einem Mann, der ähnlich lange dabei ist wie Common und bereits mit seinem ersten Album Illmatic Hip Hop-Geschichte geschrieben hat: Die Rede ist von Nas. Sein neues Album trägt den Titel "Hip Hop Is Dead". Nun ja, das kenn wir doch irgendwoher, mag man jetzt denken, und in der Tat, diese Aussage ist nichts neues. Und auch was er hier anprangert, ist bekannt, der Verfall alter Ideale, Geld regiert die Welt etc. pp. Interessant, dass er ausgerechnet einen Beat des oben bereits erwähnten Will.I.Am für den Titeltrack auswählt. Steht dieser doch mit seinen aktuellen Black Eyed Peas-Veröffentlichungen nicht gerade für das Hochhalten alter Ideale und den 'wahren' Hip Hop-Spirit. Und dann sagt Nas auch noch auf eben jenem, von Will.I.Am produzierten Track: "Everybody sounds the same, commercialize the game, reminiscin' when it was'nt all business" und weiter: "went from turntables to mp3's, from Beat Street to commercials on Macky Dee's"...Naja, es sei Nas verziehen, auch wenn mich der Beat nicht wirklich umhauen kann und er ruhig ein anderes Instrumental hätte nehmen können. Ansonsten ist das Album aber erstaunlich tight, besonders wenn man es laut oder auf guten Kopfhörern hört. Nas besinnt sich auf die alte Mentalität, fordert die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte, weg vom big money shit und fragt sich in Where Are They Now, wo die ganzen Old-School-Größen heutzutage sind; der Track ist eine Aufzählung all jener, die mittlerweile nur noch im Gedächtnis einiger älterer Heads weiterleben und längst ihre Relevanz verloren haben. Ein wenig Bombast muss neben den oldschooligen, perkussiven Tracks natürlich auch sein, und so treten bei Black Republican zwei Titanen hinters Mic: zu einem protzigen, dramatischen Streichersample rappen Jay-Z und Nas zusammen auf einem Track - wer hätte das noch vor drei Jahren gedacht! Aber der Beef zwischen den beiden ist ja offiziell Geschichte. Neben Jay-Z geben sich noch ein paar weitere Größen des Geschäfts die Klinke in die Hand - Kelis ist mit dabei, der allgegenwärtige Kanye West, und auch Snoop Dogg gibt sich auf dem Track Play On Playa die Ehre. Alles in allem ist es ein überzeugendes Album, (fast) ohne wirkliche Durchhänger und besser als die Vorgängeralben. Gut zu wissen, dass man auch in 2007 noch auf Nas vertrauen kann - auch wenn sein Klassiker Illmatic auf ewige Zeit unerreichbar bleiben wird.

Eine kleine Anekdote am Rande: auch KRS One meldet sich die Tage wieder zurück, zusammen mit dem legendären Producer Marley Marl sagt er, wie um Nas zu widersprechen: Hip Hop Lives! In bester Teacher-Manier erklärt er es uns: "Hip means to know, its a form of intelligence, to be hip is to be update and relevant, hop is a form of movement, you cant just observe a hop, you gotta hop up and do it". Ob es sich hierbei allerdings um eine direkte Antwort auf das Album van Nas handelt ist mir nicht bekannt.

Der dritte im Bunde ist der gute alte DJ Jazzy Jeff. Die meisten hatten ihn wohl schon abgeschrieben und zusammen mit Will Smith in die unterste Schublade gesteckt. Und das nicht ganz zu Unrecht - schließlich ist zwischen seinen 'revolutionären' Aufnahmen mit Will Smith aka dem Fresh Prince und seinem 'Come Back' vor fünf Jahren einige Zeit vergangen. Als 2002 im Rahmen der Beat-Generation-Reihe des Labels BBE Records sein 'Debut'-Album "The Magnificent" erschien, waren viele positiv überrascht. Die Produktionen waren voll von Soul und atmeten den Spirit längst vergangener Tage. Kein Geprotze, kein Bling Bling, keine dicken Autos und Reime über Nutten und Champagner. Und auch kein Feel-Good-Rap a la Jazzy Jeff & The Fresh Prince. Stattdessen illustre Gastmusiker aus dem Philadelphia-Dunstkreis, der seit jeher als Qualitätsgarant gilt - nachzuschlagen bei den Roots, Jill Scott, Erykah Badu usw. Hinterm Mikro waren neben ein paar bekannten Leuten wie Freddie Foxxx, J-Live, Jill Scott und dem Last Emperor vor allem relativ unbekannte Sänger/Rapper - ein Erfolgsrezept für die Beat Generation-Reihe, wie es scheint; King Britt und DJ Spinna zum Beispiel sind auf ihren Beiträgen für diese Reihe ähnlich vorgegangen. Aber, wie auch immer, es ist ein gutes Album herausgekommen, wie man es von einem alten Hasen wie Jazzy Jeff auch nicht anders erwartet hätte. Nun also, fünf Jahre später, der Nachfolger mit dem wenig originellen Titel "The Return Of The Magnificent". Das Motto scheint auch hier zu sein "Never change a winning team", und so macht Jeff da weiter, wo er vor fünf Jahren aufgehört hat. Beats, die vor Soul nur so triefen, musikalisches und textliches Understatement und eine gute Mischung aus bekannten und frischen Namen auf der Gästeliste. Wieder mit dabei sind J-Live und der großartige Sänger Raheem DeVaughn. Zusätzlich konnte Jeff einige illustre Gäste mit ins Boot holen - so sind neben Pos von De La Soul auch Method Man und, als Hommage an die reanimierte Old School, Big Daddy Kane und CL Smooth dabei, die allesamt einen guten Job machen. Die Produktionen erinnern manchmal an die guten alten Sachen aus der Slum Village/A Tribe Called Quest-Ecke; Run That Back klingt zum Beispiel verdächtig nach The Look Of Love von J88. Auch hier schwebt also irgendwie der Geist von J Dilla über der Produktion - ein Vergleich, der beim weiteren Hören des Albums alles andere als abwegig ist. Neben ein paar Kopfnicker-Tracks (z.B. Supa Jean mit Jean Grae oder Hold It Down mit Method Man) und einem Griff in die Old-School-Kiste (Jeff n Fess mit Rhymefest und Go See The Doctor 2k7 mit Twone Gabz) überwiegen die weichen, schmeichelnden Keyboards und der typische, atmosphärische Sound, den wir schon vom ersten Magnificent-Album kennen. Das Album geht mehr nach vorne als sein Vorgänger und legt den Fokus mehr auf Rap und weniger auf Gesang, was irgendwie schade ist, aber das Hörvergnügen nicht schmälert. Und die Erwartungen nach dem Vorgänger-Album aus 2002 werden mühelos erfüllt - wer The Magnificent mochte, muss hier auf jeden Fall zugreifen. Allen anderen sei zumindest ein Reinhören ans Herz gelegt!

Mehr Info gibts hier!


Common

Video zur Single "The Game"