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Sonntag, 7. März 2010

Declaime & Georgia Anne Muldrow - Someothaship

Irgendwo im Weltall gleitet das Hip Hop-Mutterschiff durch Raum und Zeit. Direkt daneben, im Schatten, schwebt ein anderes, merkwürdiges Schiff. Wie es heißt, weiß man nicht. Deswegen nennt man es schlicht „Someothaship“. Die Insassen stammen vom Planeten Stones Throw, in dem sich das Leben vor allem in verrauchten Kellern zwischen analogen Instrumenten, obskuren Samplern und alten, verstaubten Platten abspielt.

Declaime und Georgia Anne Muldrow lenken die Kiste auf ihrer Reise durch das Paralleluniversum, und sie haben Gäste an Bord. Zusammen mit einer illustren Schar an überaus fähigen Gastrappern bescheren sie uns dieser Tage den neuesten Wurf aus dem Stones Throw-Lager. Connoisseure werden gleich beim ersten Track wissend nicken, alle anderen brauchen höchstens drei Minuten, um in den Vibe zu kommen, der so bezeichnend für das kalifornische Label geworden ist. Der Überproduzent und Liebling des Hauses Madlib hat auch hier seine Spuren hinterlassen, auch wenn er selber nicht in Erscheinung tritt. Der Großteil der Produktionen geht stattdessen auf das Konto von Georgia Anne Muldrow, der First Lady der Stones Throw-Brigade, und die hat ihre Hausaufgaben gemacht. Dicke, blubbernde Basslines, Funk- und Jazzzitate en masse, holprige, leicht verzogene Drums, und eine gehörige Portion Kiffer-Vibe dominieren die Platte. Die Gastproduzenten Black Milk, Oddissee und Flying Lotus reihen sich da, wen wundert’s, perfekt ein. Wohlfühlmusik also für Freunde des Genres.

Dazu rappt und singt Georgia Anne, während Declaime seine gewohnt verrauchten Weisheiten zum Besten gibt, die auch hier wieder der ein oder anderen Verschwörungstheorie nicht abgeneigt sind. Man muss ihn mögen, sein quäkiges Organ, seine holprige Art zu rappen, aber wer das gut findet, bekommt erstklassiges Declaime-Futter. Der Rest kann sich mit den weiteren, unbestreitbar vorhandenen Qualitäten der Platte begnügen. Und außerdem gibt es genug Gastauftritte von überaus talentierten Kollegen: Kazi, Medaphoar, Rapper Big Pooh, Prince Po, Kool G Rap, LMNO, Black Milk – die können alle was und zeigen das auch.

Allen voran aber marschiert Wunderkind Muldrow, die auf ganzer Linie überzeugt, egal ob hinterm Mic oder auf der Produzentenseite. Kopfnickerbeats mit traditionalistischen, melancholischen Piano-Samples wie bei „Connect Game“ kann sie genauso wie den Slow Motion-Funk von „Get Up GoGo“. Das unendlich relaxte „Endure“ kommt dazu mit einem Westcoast-Synthie der alten Schule daher, der Dr. Dre damals gut gestanden hätte, das großartige „Heaven Or Hell“ baut mit seinem minimalistisch perkussiven Beat eine angenehm bedrohliche Stimmung auf. Hier sind auch die Vocals on point, LMNO von den Visionaries hat einen hervorragenden Gastauftritt, Black Milk und Oldschool-Legende Kool G Rap hauen gut rein, und Muldrow liefert auch ordentlich ab.

Bei “Boogie” gibt’s dann noch eine Portion Empowerment, egal wie schlecht es gerade läuft, egal ob die Mieten und die Steuern erhöht werden, denn den Funk gibt’s bei Declaime und Muldrow gratis: „I can make you boogie, if you want me to!“ verspricht sie. Und ganz am Ende, nach 45 Minuten verkifftem Zeitlupenfunk und einer ordentlichen Portion Kopfnickerbeats, spricht Declaime den Segen über die Passagiere des Someothaship: „May the funk set you free! May you be all you can be! May you be a better you, let the light shine through and through!“ Word.

Montag, 11. Mai 2009

DJ Vadim - U Can't Lurn Imaginashun


Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht lernen. Klar, wer heutzutage Musik machen will, der muss kein Instrument mehr beherrschen. Noten lesen, Quintenzirkel? Alles überflüssig. Im digitalen Zeitalter wird das nötige Basiswissen nicht mehr benötigt, intuitiv bedienbare Programme machen es heute so einfach wie noch nie, selber Musik zu machen. Das ist jedoch ein Segen und ein Fluch zugleich, das sollte jedem schnell klar sein, der sich durch die Masse an Akustikverbrechen wühlen muss, die Tag für Tag so veröffentlicht werden. Um gute Musik zu machen, bedarf es eben mehr als nur funktionierender Technik. Die ist schließlich nur Mittel zum Zweck. Die Kreativität aber, die Vorstellungsgabe, die Fantasie und das Visionäre, die sind nicht käuflich zu erwerben. Die können auch nicht gelernt werden. Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. So einfach ist das.

Dj Vadim hat dieses Prinzip erkannt und für sein neues Album in eine einfache Formel gepackt: „U Can’t Lurn Imaginashun“ heißt die Platte, und wenn man so einer wie Vadim ist, kann man so ein Statement auch einfach mal raushauen. Denn mit eben diesem Talent - der Kraft der Fantasie, dem Ideenreichtum und der Vorstellungsgabe - ist er, in musikalischer Hinsicht, reichlich gesegnet. Wer seine bisherigen Projekte kennt, wird das ohne zu zögern unterschreiben, wer dem gebürtigen Petersburger und seinem neuen Album hingegen jungfräulich begegnet, braucht höchstens die 70 Minuten Spielzeit der Platte, um sich davon zu überzeugen.

UCLI ist ein typisches Vadim-Album geworden, eine Platte wie ein bunter Flickenteppich, ein wilder, eklektischer Ritt durch die musikalischen Einflusssphären des Kosmopoliten. Der Mann ist überall zuhause, hat überall seine Finger drin und kennt die ganze Welt – klar, dass sich das auch in seiner Musik niederschlägt. Doch nie war Vadim so vielseitig wie auf dieser Platte. UCLI ist ein Album das mit spielerischer Leichtigkeit dubgeschwängerten Reggae, knochentrockenen Funk, knackige Hip Hop-Beats und zuckersüße Soulnummern zu einem schlüssigen Ganzen vermählt und bei aller Diversität dabei so rund erscheint, dass es einem gar nicht auffällt, dass es hier gerade stiltechnisch drunter und drüber geht. Dabei geht der Opener „Soldier“ noch deutlich in die Roots-Ecke und gibt damit scheinbar den Spatzen Recht, die es vor VÖ dieser Platte von den Dächern pfiffen: „Vadim macht ne Reggae-Platte!“ Doch schon die einsetzende Bassline macht klar, dass hier zwar auf Offbeat-Traditionen verwiesen wird, das Ganze aber mit einem klar vorwärts gerichteten Anstrich versehen ist. Spätestens die Raps von Big Red untermauern diesen Eindruck: hier ist einer am Werk, der auf Grenzen, Genres und puristische Herangehensweisen pfeift. Schubladen sind bei Vadim dazu da, so weit wie möglich herausgezogen zu werden, um sich jederzeit aus jeder Lade das Beste nehmen zu können.

Und so geht das die ganze Platte über. Track Nummer zwei („R3 Imaginashun“) ist ein instrumentales Monster aus Hip Hop und Dub, auf dem sich Vadim in allen Frequenzbereichen ordentlich austobt – spaciges Fiepen, tiefe Knarzbässe, Roboterstimmen und eingestreute Vokalsamples kommen zum Einsatz, bevor sich „That Lite“ ehrfürchtig in Richtung Motown verneigt und mit Soulsamples und Streichern als klassische Hip Hop-Nummer im Geiste der goldenen 90er Jahre daherkommt. Vom Dub keine Spur mehr. Der reduzierte Post-Funk von „Thrill Seeker“ suggeriert dann noch eine Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses, doch spätestens beim spacigen „Strictly Rockers“ muss der Hörer sein Urteil abermals revidieren. Hier greift Vadim wieder auf den Outer-Space-Groove vom Anfang zurück und führt diese Geschichte weiter. Überhaupt scheint sich das Album auf mehreren Erzählebenen gleichzeitig abzuspielen, zwischen denen Vadim beliebig hin und her switchen kann.

Das holprige Vokalsample von „Maximum“ und der einsetzende, leicht verstolperte Beat eröffnen das Feld für die Franzosen von La Methode, die hier deutliche Erinnerungen an die legendäre Saian Supa Crew wach werden lassen; bei „Saturday“ jagt Vadim seine Stimme und die Rapparts von Pugs Atomz durch den Vocoder und zieht damit den akustischen Hut vorm Produzentenkollegen Kanye West, während der Beat deutlich in Richtung Philadelphia und Native Tongues zeigt. „Under Your Hat“ kommt dann wieder als lupenreiner Dubtune daher und eröffnet mit atmosphärischem Plattenknacken und den genretypischen Vocals von Kathrin De Boer und Governor Tiggy ungeahnte Weiten im Delay- und Hall-Universum. Die traditionelle Einführung von „Beijos“ wirkt da mit einem monotonen Klavier fast schon langweilig, die einsetzende Bassline, dezente Synthiestreicher, eine Gitarre und die Drums wirken aber auch hier sinnstiftend und machen das zuerst einschläfernd anmutende Sujet unerwartet spannend. Die schlichte Schönheit eines Klaviersamples wird in „Game Tight“ wieder aufgegriffen, und auch hier wird das minimalistische Grundgerüst angereichert durch ein Zirpen und Knistern; Synthie-Flöten übernehmen dann die Klavierakkorde, bevor es eine Spur tiefer nach unten geht und sich Vokalsamples mit einem wabernd oszillierenden Bass paaren. Dazu noch der zuckersüße, verträumte Soul von „I Want To Shout Out“, der zum Innehalten einlädt, daher schwebt und nie richtig anfängt, die leise Schmalznote von „Always Lady“ und der knochentrockene Synthie-Funk von „Rock Dem Hot“ – dieses Album ist eine wahre Wundertüte, das bis zum letzten Track Überraschungen bereit hält.

Ein Blick auf die Gästeliste erübrigt sich da fast – international besetzt ist die Platte, Russen, Engländer, Amerikaner, Franzosen, Holländer und natürlich Vadims Lebensgefährtin Yarah Bravo – sie alle sind nicht mehr und nicht weniger als Erfüllungsgehilfen von Vadims musikalischer Vision. Dabei ist es sein großes Verdienst, dass das Album trotz der langen Spielzeit von 72 Minuten und der musikalischen Vielfalt nicht langweilig wird und zu keinem Zeitpunkt in die Beliebigkeit abrutscht. Ein in sich stimmiges Album, das von einer großen Konstante zusammengehalten wird – dem Groove. Den hat Vadim gepachtet, und der ist ja schließlich universell.

Links:
Vadims own website
Vadim bei MySpace
Vadim bei Wikipedia

Freitag, 22. August 2008

Fleet Foxes

Manchmal ist es das Cover einer CD, die das Interesse des Musikliebhabers weckt. In einer unüberschaubaren Flut an Neuveröffentlichungen ist das Visuelle oft der erste Schlüsselreiz. Die Band Fleet Foxes, wie auch Iron&Wine (s.u.) bei SubPop unter Vertrag, hat das Prinzip verstanden: das Cover ihres Debut-Albums ziert ein Gemälde des flämischen Renaissance-Malers Pieter Brueghel aus dem Jahr 1559, „Die Niederländischen Sprichworte“. Was für Musik mag dahinter stecken? Neugierige Hörer werden auch in der Musik eine Art Renaissance entdecken: das Quartett aus Seattle liefert auf dem schlicht Fleet Foxes betitelten Album eine erstklassige Neuauflage des in den späten 60er Jahren so populären Folk-Rock. Damals vor allem durch Interpreten wie Simon&Garfunkel und Crosby, Stills, Nash & Young groß geworden, führt diese Musik im 21. Jahrhundert eher ein Schattendasein. Fleet Foxes gelingt eine erfrischende Neuauflage des vergessenen Genres, die kein Plagiat sein will, sich gleichzeitig aber in Gesang, Instrumentierung und Songwriting deutlich an die alten Vorbilder anlehnt. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Shins, Sufjan Stevens und Band Of Horses, der Ansatz ist jedoch konsequenter: Schellenkranz, Orgel und Querflöte, mehrstimmige hymnische Arrangements und viel Hall verleihen den wundervollen Stücken eine kristallklare, himmelblaue Weite. Nostalgie, Sehnsucht und ein selbstbewusstes Bekenntnis zur Schönheit der Musik ziehen sich als roter Faden durch das Album, ohne auch nur ein einziges Mal aufgesetzt oder deplaziert zu wirken. Das ist das große Verdienst dieser herausragenden Platte.

Freitag, 16. Mai 2008

Iron & Wine


Unter dem Namen Iron & Wine erschien 2007 das dritte Album des Songwriters Sam Beam aus Florida, „The Shepherd’s Dog“. Eine Platte, die im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen reich instrumentalisiert ist, vielschichtiger und deshalb auch schwerer zu fassen. Skizzieren lässt sich Beam am ehesten als Singer-Songwriter und Neo-Folk-Pionier. Aber gegen zu einfache Kategorisierungen wehrt sich das Album erfolgreich. Äußerst verschroben kommen die Stücke daher, mal countryesk, mal reduziert perkussiv, mal vielschichtig opulent. Eine Vielzahl von Instrumenten setzt Beams Visionen in Klang um, es wabert psychedelisch umher, lange Instrumentalpassagen laden zum Verweilen und Sich-treiben-lassen ein. Immer wieder ein satter Kontrabass, Banjos, Slide-Gitarren und Streicher; Orgeln und sogar eine Sitar tauchen auf und ab, werden beinah unmerklich in den dicht verwobenen Klangteppich integriert. Träumerischer Gesang und wunderschöne Melodien treffen auf geheimnisvoll in sich gekehrte Arrangements. So vielschichtig sich Beam hier auch präsentiert, gemeinsam ist den Stücken eine große Ruhe. Ohne Hast leitet er durch das Album, vorbei an ein paar wahren musikalischen Kleinoden und vielen ruhigen Momenten. Ein rätselhaft-versponnenes Werk, dessen Größe sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

Neues von Portishead


Vierzehn Jahre ist es her, da standen Portishead zusammen mit Massive Attack und Tricky an der Wiege einer neuen Musikrichtung. Langsame Hiphop-Beats, bleischwere Melancholie, düstere Samples - was als Trip Hop ein paar Jahre für Furore sorgte, erstarrte jedoch schnell zur Pose. Heute klingt der Sound aus Bristol wie ein Relikt vergangener Tage. Beth Gibbons, die unverwechselbare Stimme von Portishead, veröffentlichte noch ein Soloalbum, dann wurde es still um die Band. Unweigerlich stellte sich nun, nach elf Jahren, die Frage nach der Relevanz eines neuen Albums. Vieles ist passiert, die Angst vor einem schlappen Aufguss des alten Sounds nicht unbegründet. „Third“ tappt allerdings nicht in die Recycling-Falle. Sicher, die sparsamen Gitarrentöne, die Moog-Synthesizer und vor allem Gibbons’ schmerzvoller, zerbrechlicher Gesang klingen wohlig vertraut. Es rumpelt hier und da, die Musik oszilliert zwischen noisigen, industriellen Beats und einer zarten, schönen Zerbrechlichkeit. Und doch ist der Band mit „Third“ etwas Neues gelungen. Die alte sample-basierte Arbeitsweise wurde abgelegt, das Tempo angezogen und neues Terrain beschritten. Mächtige Synthesizer paaren sich auf „We Carry On“ mit gradlinig stampfenden Beats, die an Björk denken lassen. Eine nur mit der Ukulele begleitete Folkballade schleicht sich fast unbemerkt an, im Anschluss rumpelt die Single „Machine Gun“ ungestüm drauflos. Nur bei „Hunter“ werden deutlich Erinnerungen an Vergangenes wach. Anders als bei den früheren Alben behalten sich viele Stücke Überraschungen vor, brechen abrupt mit den Erwartungen. Third ist sperrig, irritiert und erzeugt Reibung. Doch über allem liegt die wohlige Vertrautheit von Beth Gibbons’ düster-klagendem Gesang, der das Album trotz aller Disparität zu einer harmonischen Einheit führt.

Montag, 14. Januar 2008

Nederhop

Werfen wir mal einen Blick auf die Hiphop-Szene in unserem netten kleinen Nachbarland. Hiphop und Holland - fängt zwar beides mit H an, würde man aber sonst wahrscheinlich nicht direkt miteinander in Verbindung bringen. Ich meine, was kennt man schon an Musik aus Holland? 2Unlimited, Caught In The Act, Charlie Lownoise & Mental Theo, DJ Tiesto...Alles nicht gerade Garanten für gute Musik.
Und im Hiphop? Mh...Den meisten fällt da wahrscheinlich gar nichts zu ein. Wenn man aber ein wenig nachdenkt, könnte man doch auf ein zwei Sachen kommen. Für Furore, auch in Deutschland, haben Pete Philly & Perquisite gesorgt, als ihr erstes Album erschien, ich meine es war 2006. Mindstate heißt das Ding, und der Name ist hier Programm: Die Titel sind nach Gemütszuständen benannt, und das Konzept dahinter ist, naheliegend, eine musikalische Umsetzung der Titel. Das ist größtenteils geglückt, und so ist ein interessantes Album entstanden, das vor allem wegen der sehr musikalischen und vielschichtigen Beats mehr als nur hörenswert ist. Ende letzten Jahres kam dann das zweite Album, Mystery Repeats, und auch das sollte man nicht an sich vorbeiziehen lassen. Im Grunde wird der musikalische Kurs des ersten Albums fortgeführt - musikalische Beats, oft mit Live-Instrumenten und leichten Jazz-Einflüssen, aber nie verfrickelt und seicht, sondern immer mit dem nötigen Druck dahinter. Hören und kaufen!

Das alles ist auf Englisch und damit auch für die meisten verstehbar. Es gibt aber natürlich auch Hiphop in der Landessprache. Wie auch in Deutschland erfährt Hiphop-Musik im Moment einen großen Hype, und Hypes habern es meistens an sich, dass sie viel Mist mit an die Oberfläche spülen. Da ist auch Holland keine Ausnahme.
Allerdings muss man dort momentan nicht so tief graben wie in Deutschland, um Veröffentlichungen zu finden, die einem gewissen Anspruch an Texte und Beats gerecht werden. Im Gegenteil, an der Spitze der 'Nederhop'-Szene marschieren seit ein paar Jahren drei Jungs aus Zwolle, die mit ihrer Musik einen ganz anderen Weg verfolgen als die zahllosen Ami-Rap-Kopien mit immer gleichen Beats und Inhalten. Opgezwolle beweisen seit nunmehr 3 Alben, dass es möglich ist, eine eigene musikalische Vision abseits ausgetretener Pfade und Anbiederei an all die Kanye West's da draußen zu verfolgen. Und damit obendrein noch großen Erfolg zu haben. Ihr letztes Album EigenWereld ist ein Musterbeispiel an facettenreicher Eigenständigkeit, manchmal recht sperrig, aber konzeptuell musikalisch wie auch textlich äußerst gelungen. Opgezwolle sind für die niederländische Hiphop-Szene das, was IAM für Frankreich ist. Oder so ähnlich zumindest.

Hier das Video von "Rustug" (ruhig):



Und hier das Video von "Verre Oosten" (Ferner Osten), eine Hommage an ihre Heimat Zwolle (mäßiges Video, aber Knaller-Track!)




Und dann gibt es da noch Typhoon. Dieser junge MC, er ist um die 20, stammt ebenfalls aus dem Opgezwolle-Dunstkreis. Seine bisherigen Singles und Features hatten mich nicht gerade überzeugt. Zu oft waren da Refrains, die an Peinlichkeit grenzten, jede Menge Popappeal und Gefälligkeit, Durchschnittlichkeit und wenig originelles. Seine Single "Vluchtgedrag" (Fluchtverhalten)zum Beispiel, in der er für mehr Toleranz gegenüber Flüchtlingen plädiert, ist zwar gut gemeint, leidet aber an Überambitioniertheit, schlimmem Refraingesang und gleichzeitig einer schwachen Produktion. Das, so war mein Eindruck, ist bei Typhoon meistens der Fall, und so hatte ich ihn schon komplett abgeschrieben.
Als ich dann aber von seinem Soloalbum erfuhr und davon, dass Opgezwolle-Producer Delic einen Großteil der Beats produziert hat, wurde ich doch neugierig. Nun, Delic hat einen Beat auf dem Album, dementsprechend wurden meine Erwartungen enttäuscht. Aber das ist auch die einzige Enttäuschung - Es gab lange kein Album mehr, das mich so umfassend überzeugt hat und, mehr noch, mich schier euphorisch gestimmt hat. Tussen Licht En Lucht ist, ohne zu sehr zu übertreiben, ein Instant-Klassiker. Das Album ist eine organische Einheit mit teils überragenden Produktionen und ohne einen einzigen wirklichen Tiefpunkt. Die Beats haben immer die nötige Kraft, und wo man zu Anfang noch skeptisch zuhört, weichen die Zweifel bald ungeminderter Begeisterung. Musikalisch höchst abwechslungsreich kommt das Album daher, mit zwei dicken Brettern direkt am Anfang, nur um danach ins nachdenklich-ruhige abzugleiten. Live-Instrumentierung unterstützt ein paar Nummern, und nur bei ein oder zwei Tracks kommt ein vages schon-mal-gehört-Gefühl auf. Ansonsten klingt das Ganze überraschend fresh, originell und unverbraucht. Typhoon beherrscht sein Fach, überzeugt auf allen Gebieten der MC-Kunst. Ob es nun persönliche Texte sind, philosophische Überlegungen oder Representer-Lyrics, der Mann weiß was er tut. In einem Forum wurde ein Vergleich zu Nas und seinem Meilenstein-Debut Illmatic gezogen, und auch wenn man sich hier in den höchsten Sphären der Hiphop-Geschichte bewegt, ist der Vergleich gar nicht so abwegig. Ein junger hungriger MC, ausgestattet mit großem Talent und überragenden, zeitlosen Beats - insofern passt der Vergleich wie Arsch auf Eimer. Typhoons Debut ist momentan mit das Beste, was Holland in Sachen Rap zu bieten hat, und für mich ist es nachträglich noch in meine Top-3-Hiphop-Alben-Liste für 2007 reingerutscht. Großartig!


Hier das Video zu "Volle Maan" (Vollmond):


Das hier ist der Opener des Albums, "Hotel Beschaving" (Hotel Kultiviertheit/Zivilisiertheit), leider kein wirkliches Video ;-):

Donnerstag, 14. Juni 2007

Kinderzimmer Productions - keine kleinen Brötchen mehr...

Eine freudige Nachricht erreichte mich kürzlich aus den Tiefen des MySpace-Universums: die Jungs von Kinderzimmer Productions haben die Arbeiten an ihrem neuen Album offensichtlich abgeschlossen, und so kommt ihr neuestes Baby "Asphalt" am 22.06. in die Läden. Für mich Grund genug, mir mal die neuen Tracks zu Gemüte zu führen, die allesamt auf ihrer MySpace-Seite anzuhören sind.

"Asphalt" ist bereits Album Nummer sechs, und wer die Vorgänger kennt, weiß worauf er sich einzustellen hat: Ein buntes Sammelsurium der unwahrscheinlichsten Samples, rumpelnde, dreckige Beats und vom MC Textor eine Attitüde, die sich schon immer (bewusst?) den gängigen Schemata und Rollenmodellen der Hiphop-Szene verweigerte. "Ich repräsentiere einen Scheiß, ich bin einfach nur da". Als Einflüsse werden immer wieder Eric B & Rakim genannt, Run DMC, Boogie Down Productions oder Gangstarr. Aber auch der Samplewizard Madlib/Quasimoto wird von den Jungs als Referenz herangezogen. Und in Bezug auf die Vorgehensweise beim Samplen lassen sich durchaus Parallelen feststellen zwischen dem Producer aus Oakland und dem Ulmer Quasimodo (die sich lustigerweise bis in die Namensgebung fortsetzen lassen). Aber da wo Madlib knietief im Jazz der 70er Jahre steht, scheinen die Kinderzimmer Productions ihre Referenzen etwas früher verortet zu haben, im Jazz der 30er bis 60er Jahre.

Aber nicht dass das alles wäre - benutzt wird alles was irgendwie reinpasst, so abwegig die Assoziationen auch sein mögen. So finden sich auf ihren Platten seit jeher Leute wie Thelonoius Monk, die Stranglers, Kraftwerk, Billie Holiday und Neil Young als gleichberechtigte Referenzen nebeneinander wieder. Der MC Textor glänzt dabei mit Texten, die voll sind von Anspielungen und intertextuellen Verweisen und führt so im Grunde das Prinzip fort, das schon bei der Beatproduktion angewendet wird. Seine Referenzen reichen dabei von teils schon genannten Old-School-Größen wie Rakim, Guru, EPMD, Run DMC und KRS One bis hin zur deutschen Literatur mit Heinrich Böll, Thomas Mann und Siegfried Lenz. Aus seiner Bildung macht er keinen Hehl, und das ist auch gut so, sind seine Texte doch oft wahre Kleinode, voll von klugen Aphorismen über das Leben, abwegigen Vergleichen, humorvollen Geschichten und um die Ecke gedachten Assoziationsketten. Textors Umgang mit der deutschen Sprache sucht seinesgleichen - hierzulande vielleicht nur noch erreicht durch Leute wie Dendemann oder Aphroe von RAG.

Hip Hop für Intellektuelle also? Nicht unbedingt, auch wenn die Musik der Kinderzimmer Productions durchaus schwer zugänglich sein kann. Aber oft sind ja die Alben, die sich erst nach mehrmaligem Hören erschließen lassen, auch diejenigen, die einen lange Zeit begleiten und mit der Zeit immer besser werden.

Was erwartet uns also auf dem sechsten Album? Die letzte Platte "Irgendjemand Muss Doch" war wohl das schwächste Album in der Diskographie der Jungs. Aber die neuen Tracks überzeugen - es ist alles beim Alten, und es poltert und rumpelt, dass es eine helle Freude ist, und Textor ist in Hochform und beweist einmal mehr seine Klasse als MC. Nicht dass man sich wiederholen würde, aber es ist doch zweifelsohne der Trademark-Sound der Ulmer, der sie in der deutschen Hiphop-Landschaft so einzigartig macht, und der uns auch hier wieder vom ersten Ton an entgegenschlägt.

Mit einem leicht schrägen, jazzigen Intro wird der Hörer ins Kinderzimmer-Universum eingeführt. "Das T", der Eröffnungstrack, zeigt dann gleich die Marschrichtung an. Über ein groovendes, perkussives Instrumental liefert Textor einen Representer-Track in bester Kinderzimmer-Manier ab: "Ich bin der, der Handgriffe an das Unfassbare macht". Nach diesem nocht recht konventionellen Opener geht es dann aber direkt tief in die Frickelkiste - "Kickstart Mein Hirn" holpert herein, und man braucht durchaus eine Weile, bis sich der Rhythmus des Tracks erschließt. Oder ändert sich der Takt andauernd? "Will Fulfill" ist dann wieder zugänglicher. Ein groovender Basslauf, ein dreckiges Drumset, ein paar Sampleschnipsel und Textors Wortspielereien: "Tanzt nach meiner ihr Wasserpfeifen könnt mir nicht das Wasser reichen ich gehe über Wasser und über Wasserleichen" - So fühlt sich Zuhause an.

Nach dem langsamen, beinah schleppenden "Sind Sie Da" folgt eine Fortsetzung der Kollaboration Textors mit seinem prästimmbrüchigen-helium-gepitchten Alter Ego namens Tek Beton - Madlib lässt grüßen. "Was Du Hast" ist eine Ode an den Materialismus und pure Angeberei, das ganze aber nicht ohne die typische ironische, augenzwinkernde Konnotation. "Geh Kaputt" ist dann einer der wenigen Tracks, in dem sich eindeutig ein Thema ausmachen lässt - Mit beinah stoischer Ruhe erzählt Textor über einem minimalistischen Beat von alltäglichen Zerreißproben im Umgang mit Nachbarn und Mitmenschen und verliert sich gedanklich in Racheszenarios - natürlich ohne nach außen hin die Beherrschung zu verlieren: "Mein innerer Wutmensch hat nen Dämon als Nebenbuhler, der wünscht dich in die Fänge einer Gang gewaltbereiter Lederschuhe" - schön, auch wenn humorige Lyrics nicht gerade zu Textors Stärken gehören.

Eins der besten Stücke des Albums ist "Der Durchbruch". Ähnlich durchschlagend wie damals "Wir sind da wo oben ist" und textlich in einer Linie mit "Styles ohne Ende" vom letzten Album - ein Kopfnicker, ein Brett von Beat in bester Boom-Bap-Tradition und definitiv ein Single-Kandidat, auch wenn ihnen der selbstbewusst proklamierte Durchbruch vielleicht nie mehr gelingen wird. Auch hier, wie schon bei "Sind sie da", kommen im Chorus dezente Scratches zum Einsatz, was dem Track durchaus gut tut. Und Textor ist in Höchstform - "auf einem Beat der zieht wie ein Biest an der Leine".

Und dann, wenn das Album eigentlich schon zu Ende ist, kommen nochmal zwei großartige Tracks um die Ecke - das kryptische "Die Stadt die es nicht gibt", und "Ononon", in dem Textor in bester Storyteller-Manier von einer unangenehmen Begegnung erzählt. Dann ist das Spektakel vorbei, und ein düsteres, fast schon zu langsames Outro führt uns mit dominierendem Plattenknacken und ein paar diffusen Soundfragmenten aus dem Album heraus, hinein ins Nichts. Kinderzimmer Productions eben.

Das Kinderzimmer auf MySpace

Sonntag, 10. Juni 2007

Einen schönen guten Abend allerseits...

Hier werde ich in Zukunft über Musik schreiben - und über alles andere was mir relevant erscheint. Alles höchst subjektiv und ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Allgemeingültigkeit.
Viel Spaß beim Lesen!

Beginnen möchte ich mit ein paar Hip Hop-Alben, die in letzter Zeit ihren Weg in meine Anlage gefunden haben.
Hip Hop hat es mir in den letzten Jahren immer schwerer gemacht, mich für ihn zu begeistern. Natürlich gibt es unglaublich viel Potential im Untergrund, aber was momentan die Massen erreicht, hat nur noch peripher mit dem zu tun, was mich damals zu dieser Kultur und damit auch zu der Musik gebracht hat. Nun ja, diese Einstellung ist nicht neu, und originell ist es auch nicht, den Status Quo der Rapmusik im Jahre 2007 anzuprangern. Das haben andere vor mir besser getan. Deshalb will ich mich auch nicht weiter in Allgemeinplätzen verlieren; worauf ich hinaus will ist, dass es - glücklicherweise und fast schon überraschend - die alten Hasen im Game sind, die mit ihren neuen Alben eine Alternative zum synthetischen Einheitsbrei bieten.

Da ist zum Beispiel Common, der zwei Jahre nach seinem großartigen Album "Be" bereits den nächsten Instant-Klassiker raushaut. Das Ding heißt "Finding Forever" und wird so ab Juli in den einschlägigen Plattenläden zu kaufen sein. Und was man bisher übers Netz hören konnte, lässt zu Recht hoffen auf einen würdigen "Be"-Nachfolger. Für die Produktion zeichnet, wie auch schon bei "Be", hauptsächlich Kanye West verantwortlich. Und er gefällt mir immer besser - das nervige Stimmengepitche, mit dem er einen beinahe universalen Trend im Produzieren mitbegründet hat, rückt in den Hintergrund. Was bleibt, sind kompromisslos tighte Produktionen, die von roughen, treibenden Kopfnickerbeats (The Game) bis zu schönen, souligen Tracks (Black Maybe) reichen. Dafür kriegt er auf dem Stück "The People" die nötigen Credits: "My daughter found Nemo, i found the new Premo". Common beweist immer wieder, dass er jeden Beat perfekt zu beherrschen weiß und beeindruckt durchgehend - seine Raps sind zwingend und absolut auf den Punkt, und er beweist einmal mehr, dass er zu den momentan besten MCs gehört. Auf der Producerseite sind neben Kanye der ehemals geschätzte Will.I.Am am Start, der mit seinem Martin Luther King-Sample zumindest zufriedenstellt (A Dream). Der Überproduzent J Dilla hat posthum einen Beat beigesteuert, auf dem Common von D'Angelo begleitet wird (So Far To Go), und auch sonst sind die Gäste nicht überraschend - Dwele, Bilal und Kanye himself, alles alte Bekannte also. Und noch ein alter Hase ist mit im Boot: DJ Premier steuert für die Single The Game seine Trademark-Cuts bei. Und für diese gilt, was man auch fürs ganze Album sagen kann: Nichts neues, aber wie gewohnt gut.

Weiter gehts mit einem Mann, der ähnlich lange dabei ist wie Common und bereits mit seinem ersten Album Illmatic Hip Hop-Geschichte geschrieben hat: Die Rede ist von Nas. Sein neues Album trägt den Titel "Hip Hop Is Dead". Nun ja, das kenn wir doch irgendwoher, mag man jetzt denken, und in der Tat, diese Aussage ist nichts neues. Und auch was er hier anprangert, ist bekannt, der Verfall alter Ideale, Geld regiert die Welt etc. pp. Interessant, dass er ausgerechnet einen Beat des oben bereits erwähnten Will.I.Am für den Titeltrack auswählt. Steht dieser doch mit seinen aktuellen Black Eyed Peas-Veröffentlichungen nicht gerade für das Hochhalten alter Ideale und den 'wahren' Hip Hop-Spirit. Und dann sagt Nas auch noch auf eben jenem, von Will.I.Am produzierten Track: "Everybody sounds the same, commercialize the game, reminiscin' when it was'nt all business" und weiter: "went from turntables to mp3's, from Beat Street to commercials on Macky Dee's"...Naja, es sei Nas verziehen, auch wenn mich der Beat nicht wirklich umhauen kann und er ruhig ein anderes Instrumental hätte nehmen können. Ansonsten ist das Album aber erstaunlich tight, besonders wenn man es laut oder auf guten Kopfhörern hört. Nas besinnt sich auf die alte Mentalität, fordert die Rückbesinnung auf die traditionellen Werte, weg vom big money shit und fragt sich in Where Are They Now, wo die ganzen Old-School-Größen heutzutage sind; der Track ist eine Aufzählung all jener, die mittlerweile nur noch im Gedächtnis einiger älterer Heads weiterleben und längst ihre Relevanz verloren haben. Ein wenig Bombast muss neben den oldschooligen, perkussiven Tracks natürlich auch sein, und so treten bei Black Republican zwei Titanen hinters Mic: zu einem protzigen, dramatischen Streichersample rappen Jay-Z und Nas zusammen auf einem Track - wer hätte das noch vor drei Jahren gedacht! Aber der Beef zwischen den beiden ist ja offiziell Geschichte. Neben Jay-Z geben sich noch ein paar weitere Größen des Geschäfts die Klinke in die Hand - Kelis ist mit dabei, der allgegenwärtige Kanye West, und auch Snoop Dogg gibt sich auf dem Track Play On Playa die Ehre. Alles in allem ist es ein überzeugendes Album, (fast) ohne wirkliche Durchhänger und besser als die Vorgängeralben. Gut zu wissen, dass man auch in 2007 noch auf Nas vertrauen kann - auch wenn sein Klassiker Illmatic auf ewige Zeit unerreichbar bleiben wird.

Eine kleine Anekdote am Rande: auch KRS One meldet sich die Tage wieder zurück, zusammen mit dem legendären Producer Marley Marl sagt er, wie um Nas zu widersprechen: Hip Hop Lives! In bester Teacher-Manier erklärt er es uns: "Hip means to know, its a form of intelligence, to be hip is to be update and relevant, hop is a form of movement, you cant just observe a hop, you gotta hop up and do it". Ob es sich hierbei allerdings um eine direkte Antwort auf das Album van Nas handelt ist mir nicht bekannt.

Der dritte im Bunde ist der gute alte DJ Jazzy Jeff. Die meisten hatten ihn wohl schon abgeschrieben und zusammen mit Will Smith in die unterste Schublade gesteckt. Und das nicht ganz zu Unrecht - schließlich ist zwischen seinen 'revolutionären' Aufnahmen mit Will Smith aka dem Fresh Prince und seinem 'Come Back' vor fünf Jahren einige Zeit vergangen. Als 2002 im Rahmen der Beat-Generation-Reihe des Labels BBE Records sein 'Debut'-Album "The Magnificent" erschien, waren viele positiv überrascht. Die Produktionen waren voll von Soul und atmeten den Spirit längst vergangener Tage. Kein Geprotze, kein Bling Bling, keine dicken Autos und Reime über Nutten und Champagner. Und auch kein Feel-Good-Rap a la Jazzy Jeff & The Fresh Prince. Stattdessen illustre Gastmusiker aus dem Philadelphia-Dunstkreis, der seit jeher als Qualitätsgarant gilt - nachzuschlagen bei den Roots, Jill Scott, Erykah Badu usw. Hinterm Mikro waren neben ein paar bekannten Leuten wie Freddie Foxxx, J-Live, Jill Scott und dem Last Emperor vor allem relativ unbekannte Sänger/Rapper - ein Erfolgsrezept für die Beat Generation-Reihe, wie es scheint; King Britt und DJ Spinna zum Beispiel sind auf ihren Beiträgen für diese Reihe ähnlich vorgegangen. Aber, wie auch immer, es ist ein gutes Album herausgekommen, wie man es von einem alten Hasen wie Jazzy Jeff auch nicht anders erwartet hätte. Nun also, fünf Jahre später, der Nachfolger mit dem wenig originellen Titel "The Return Of The Magnificent". Das Motto scheint auch hier zu sein "Never change a winning team", und so macht Jeff da weiter, wo er vor fünf Jahren aufgehört hat. Beats, die vor Soul nur so triefen, musikalisches und textliches Understatement und eine gute Mischung aus bekannten und frischen Namen auf der Gästeliste. Wieder mit dabei sind J-Live und der großartige Sänger Raheem DeVaughn. Zusätzlich konnte Jeff einige illustre Gäste mit ins Boot holen - so sind neben Pos von De La Soul auch Method Man und, als Hommage an die reanimierte Old School, Big Daddy Kane und CL Smooth dabei, die allesamt einen guten Job machen. Die Produktionen erinnern manchmal an die guten alten Sachen aus der Slum Village/A Tribe Called Quest-Ecke; Run That Back klingt zum Beispiel verdächtig nach The Look Of Love von J88. Auch hier schwebt also irgendwie der Geist von J Dilla über der Produktion - ein Vergleich, der beim weiteren Hören des Albums alles andere als abwegig ist. Neben ein paar Kopfnicker-Tracks (z.B. Supa Jean mit Jean Grae oder Hold It Down mit Method Man) und einem Griff in die Old-School-Kiste (Jeff n Fess mit Rhymefest und Go See The Doctor 2k7 mit Twone Gabz) überwiegen die weichen, schmeichelnden Keyboards und der typische, atmosphärische Sound, den wir schon vom ersten Magnificent-Album kennen. Das Album geht mehr nach vorne als sein Vorgänger und legt den Fokus mehr auf Rap und weniger auf Gesang, was irgendwie schade ist, aber das Hörvergnügen nicht schmälert. Und die Erwartungen nach dem Vorgänger-Album aus 2002 werden mühelos erfüllt - wer The Magnificent mochte, muss hier auf jeden Fall zugreifen. Allen anderen sei zumindest ein Reinhören ans Herz gelegt!

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Common

Video zur Single "The Game"